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Bevölkerung in Botswana – Bildung, Ethnien, Religion & Heilertradition

Botswana (Land der Tswana) ist eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde.

Auf einem Territorium, das etwas größer als Frankreich ist, leben weniger Menschen als in Paris. Die Bewohner des Landes nennen sich Batswana, welches in zweiter Bedeutung auch die Zugehörigkeit zur Ethnie der Tswana kennzeichnet. Ein einzelnes Mitglied der Batswana oder entsprechend auch ein Einwohner Botswanas wird Motswana genannt. Botswana hatte auch eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt.

Aufgrund eines wachsenden Reichtums, der hauptsächlich auf die Diamantfunde seit Anfang der 70er Jahre zurückzuführen ist, erhöhte sich der durchschnittliche Lebensstandard, die Kindersterblichkeitsrate sank und die Lebenserwartung stieg. Sie stieg bis Anfang der 90er Jahre auf 65 Jahre. Dies zusammengenommen mit einer hohen durchschnittlichen Gebärrate von 5,8 Kindern pro Frau und der Tatsache, dass jede vierte Frau ihr erstes Kind unter dem 18. Lebensjahr bekommt, führte in den späten 70er und 80er Jahren zu einer Bevölkerungsexplosion. Diese Entwicklung wurde durch die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit AIDS in Botswana gestoppt.

Die geographische Verteilung der Bevölkerung Botswanas ist sehr unausgewogen. Mehr als drei Viertel konzentrieren sich auf einen schmalen Streifen im Osten des Landes und dort insbesondere in der Hauptstadt Gaborone und den Metropolen Francistown, Lobatse und Selebi Phikwe. Jeder zweite Batswana lebt in einer Stadt und allein Gaborones Bevölkerung hat sich in den letzten 25 Jahren vervielfacht und gilt mit seinen nunmehr fast 230.000 Einwohnern (Stand 2011) als eine der am schnellsten wachsenden Städte Afrikas.

Bildungsystem in Botswana

Die Tatsache, dass die britische Protektoratsverwaltung niemals viel in ihr Schutzgebiet Betschuanaland investieren wollte, schlug sich unter Anderem auch im Zustand des Bildungssystems wieder und machte es unter allen britisch verwalteten Gebieten zu dem mit der schlechtesten Bildung. Unter 1.400 Schüler wurden damals im gesamten Schutzgebiet unterrichtet. Seit der Unabhängigkeit des Landes wurden große Anstrengungen unternommen diese Situation zu verbessern und so liegt die heutige Einschulungsquote bei 95 %. 70 % aller Kinder absolvieren die ersten sieben Schuljahre, obwohl es bisher keine offizielle Schulpflicht gibt.

Zwischen 1980 und 2007 war Schulbildung kostenlos. Seitdem werden umgerechnet rund 50 Euro pro Schuljahr an Schulgeld verlangt. Landesweit existieren ca. 600 staatliche, siebenjährige Grundschulen. Weiterführende fünf Jahre Schulbildung werden durch landesweit etwa 130 Mittelschulen gewährleistet. Besonders hervorzuheben ist der hohe praktisch orientierte Anteil am Schulunterricht, in welchem landwirtschaftliches Wissen sowie Hygiene- und Hauswirtschaftskenntnisse vermittelt werden. Darüber hinaus existieren, hauptsächlich im Osten des Landes, rund 40 Berufsbildungsstätten.

Eine universitäre Bildung kann nur an der einzigen Universität des Landes, in der Hauptstadt Gaborone erworben werden. Ergänzend zu diesen beschriebenen klassischen Bildungswegen wurde im Jahre 1980 ein Erwachsenenbildungsprogramm initiiert, mit dem die Analphabetenquote erfolgreich von 59 % auf 10 % reduziert werden konnte.

Die Ethnien in Botswana

Das Binnenland im Süden Afrikas mit seinen rund 2 Mio Einwohnern, ist zu 79 % von Tswana (oder auch Batswana), zu 11 % von Bakalanga (Shona), zu 2,5 % von San und KhoiKhoi sowie zu 2,5 % von Weißen und Indern besiedelt. Die restlichen 5 % der Bevölkerung setzen sich aus den Volksgruppen Herero, Batawana, Bakgalakgadi sowie der Hambukushu und Bayei zusammen.

Die Batswana

Die bedeutendsten drei Untergruppen der größten Bevölkerungsgruppe bilden die Bakwena im Großraum Molepolole, die Bangweketse aus der Region Lobatse und Kanye im Südosten des Landes und die Bangwato aus Serowe und Palapye im mittleren Osten von Botswana. Ein großer Teil der Batswana lebt auch im südlich angrenzenden Südafrika. Ihre Sprache ist Setswana und ist neben Englisch die wichtigste Verkehrssprache Botswanas. Diese, das Land dominierende Gruppe, ist bekannt für den Stellenwert, den in Ihrer Kultur die Rinderzucht einnimmt. Die soziale Stellung des Einzelnen innerhalb der Gruppe orientiert sich vor allem an der Anzahl seiner Rinder.

Die Bakalanga

Sie gelten als Verwandte der Shona und kamen mit dem Aufblühen des Königreiches von Butwa im heutigen Zimbabwe ab dem 14. Jh in den Osten des Landes. Ihr Haupsiedlungsgebiet liegt in der Region um Francistown. Im Unterschied zu den Batswana betreiben die Bakalanga hauptsächlich Landwirtschaft und Vieh diente bei Ihnen schon traditionell zu Opferzwecken sowie als Brautpreis. Status und Macht werden innerhalb dieses Volkes durch Landbesitz und Landrechte erworben.

Die San und KhoiKhoi

Wissenschaftlich auch als Khoi-San bezeichnet und in Botswana Basarwa „die Leute aus dem Westen“ genannt.

Die ersten weißen Siedler, die Buren, die auf diese Menschen trafen, gaben dem Teil von Ihnen, der sich hauptsächlich vom Jagen und Sammeln ernährte, den Namen Buschmänner (San) und dem Teil, welcher Landwirtschaft betrieb und in Dörfern lebte die Namen KhoiKhoi oder Hottentotten. Aufgrund Ihrer Friedfertigkeit konnten sie von den Buren sehr schnell versklavt, vertrieben oder getötet werden. Aber auch andere afrikanische Völker sahen und sehen sie als minderwertig an. Richtiggehende Ausrottungszüge wurden dadurch ausgelöst, dass die San, die nicht mit der Idee des Tierbesitzes vertraut waren, Jagd auf Rinder der Buren machten.

Die traditionelle Lebensweise der San war sehr an die Natur angepasst. Sie zogen durchs Land und ernährten sich zu 90 % von Wildfrüchten. Dabei legten sie jährlich um die 2.500 Km zurück. Mittels Giftpfeilen gejagtes Fleisch wurde, so es nicht gleich verzehrt wurde, durch Trocknung konserviert. In der Kultur der San gibt es keine Anführer. Diener und Frauen sind den Männern gleichgestellt. Die Sprache der Khoi-San samt aller existierender Dialekte, gilt als die schwierigste Sprache der Welt. Es handelt sich um eine Klicksprache, die sich in sieben Grundklicks mit jeweils bis zu 85 Abwandlungen gliedert. Nach Schätzungen leben im heutigen Botswana 56.000 Khoi-San, von denen allerdings nur eine geringe, sich unter 2.000 belaufende Zahl an Menschen das freie Leben eines San als Jäger und Sammler führt.

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Die Herero und Mbanderu

Das aus dem Gebiet des heutigen Namibia stammende Volk der Herero und seine Untergruppe die Mbanderu sind wie die Batswana Rinderzüchter und lehnten traditionell körperliche Arbeit, etwa Landwirtschaft, strikt ab. Durch die Gründung der deutschen Kolonie Deutsch-Süd-West-Afrika kamen die beiden Volksgruppen in Bedrängnis und nach einem erfolglosen Kampf gegen die Deutschen, flohen sie unter vielen Verlusten in der Kalahari in Richtung Osten in das Siedlungsgebiet der Batswana, mit welchen sie eine Art gegenseitige Asylvereinbarung getroffen hatten. Hier in Ngamiland (Nord-West Botswana) fanden sie ihre neue Heimat und legten sich wieder größere eigene Rinderherden zu.

Die Batawana

Die Batawana stammen aus dem Süden und emigrierten nach Ngamiland im Nordwesten Botswanas. Sie wurden zur dominierenden Macht in diesem Gebiet und konnten auch noch lange in der britischen Protektoratszeit ihre Unabhängigkeit bewahren. Die Hauptstadt ihres Volkes ist seit 1915 Maun. Im Jahre 2003 bestieg mit Kealitile Moremi zum ersten Male eine Frau den Thron zum Chief des Volkes.

Die Bakgalakgadi

Die Bakgalakgadi (die Leute aus der Kalahari) spalteten sich im 15. Jh. von den Tswana ab, näherten sich den Khoi-San an und galten seit dieser Zeit als untergeordnet. Vielfach wurden sie von den Tswana versklavt, die sich ihre Talente als Spurenleser und Jäger zunutze machten. Bis heute erfährt dieses Volk eine ethnische Diskriminierung und kann kaum von den wirtschaftlichen Erfolgen des Landes profitieren. Worauf ihr Name schon hinweist, liegt ihr Siedlungsgebiet am Rande der Zentralkalahari wo sie als Subsistenzbauern und Viehhirten ein recht karges Dasein bestreiten.

Die Hambukushu und Bayei

Diese beiden aus Gebieten des heutigen Namibia und Angola zugewanderten Bantuvölker besitzen im Vergleich zu allen anderen vorher genannten eine flussorientierte Lebensweise als Fischer, Jäger und Sammler an den Ufern des Okavango im Nordwesten Botswanas. Heutzutage leben viele, vor allem der Hambukshu, vom Tourismus wo sie sich z. B. als versierte Führer bei Boots- und Einbaumfahrten verdingen können. Bekannt sind sie auch durch ihre Fertigkeiten beim Flechten von Korbwaren. Ihre Sprache weist auch, wie die der Khoi-San, Klicklaute auf. Eine weitere Besonderheit ist die bei diesen beiden Völkern existierende Erbfolge in mütterrechtlicher Linie.

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Religion & Heilertradition

Etwa die Hälfte der Bevölkerung hängt Naturreligionen an und die andere Hälfte dem Christentum, wobei zusätzlich auch Mischformen entstanden sind. Das Christentum wird seit Mitte des 19. Jh. von Missionaren verbreitet. Unter den Christen nehmen die Protestanten die größte Gruppe ein. Gefolgt werden diese dann von afrikanischen Kirchengemeinschaften und Katholiken. Etwa 150 zionistische Kirchen schaffen eine Verbindung zwischen Kirche und Tradition, indem der sog. Faith Healer gleichzeitig eine Art Priester aber auch Heiler ist. Anhänger des Islam findet man in Botswana nur wenige.

Vom Modimo, Badimo und Kgosi

Der traditionelle Glaube der Naturreligionen der Batswana kennt einen, Modimo genannten, Gott. Dieser wird nicht als Person verehrt, sondern besitzt einen mehr allgegenwärtigen Charakter, den man möglicherweise mit dem Universum als solches gleichsetzen könnte. Als Mittler zwischen ihm und den Menschen existieren Badimo genannte Geister. Die Badimo stehen in Verbindung mit den Vorfahren bzw. können auch als deren Geister verstanden werden und gelten als schwierig und leicht reizbar.

Da die Batswana sich immerfort von ihnen überwacht und kontrolliert fühlen, besitzen diese einen beachtlichen Einfluss auf die Lebendigen, und werden mit allen Arten unvorteilhafter Geschicke in Beziehung gebracht und dafür verantwortlich gemacht. Die Existenz dieser als moralische Instanz wahrgenommenen Badimo, drängt die derart gläubigen Batswana zu wohlüberlegtem Handeln. Auf diese Weise suchen sie zu vermeiden, die Rache eines erzürnten Geistes auf den Plan zu rufen. Die Macht, kollektives Unglück wie z. B. Hungersnöte als Strafe einzusetzen, wird Modimo, dem Universalgott zugeschrieben. Zwischen einem Volk und den Geistern existiert ein Vermittler, der Kgosi genannt wird. Er besitzt die besonderen Fähigkeiten zur Kontaktaufnahme und die speziellen Kenntnisse der einzusetzenden Zeremonien. Seine Aufgabe besteht darin, die Geister freundlich zu stimmen. Ein wichtiger Ansatz dafür ist das Erbringen von Opfern, die den Badimo als Tier- oder Nahrungsgaben gespendet werden. Neben der Möglichkeit Unglücke als Strafe der Badimo für Fehlverhalten auszulösen, existiert im traditionellen Glaubenssystem noch eine zweite Variante zum Hervorrufen negativer Geschicke.

Baloi (Hexer, Hexen) vs. Dingaka (Heiler)

Baloi (Hexer, Hexen) genannte Menschen verfügen über die Fähigkeit die Badimo anderer zu manipulieren und so in deren Schicksal einzugreifen. Der Baloi operiert gewöhnlich verborgen und wird im Geheimen von Menschen aufgesucht, die anderen Stammesmitgliedern mittels seiner Fähigkeiten etwas Böses zufügen möchten. Geschädigte haben die Möglichkeit zu einem so genannten Dingaka (Heiler als Gegenpol zu den Baloi) zu gehen und durch diesen den die negativen Wirkungen aufheben zu lassen. Unterteilt werden die Heiler hierbei in Kräuterkundige, Kundige der Diagnose durch Knochenwerfen, Heiler die beide Techniken beherrschen und diese mit dem Blutsaugen aus einer kleinen Schnittwunde mittels eines hohlen Hornes kombinieren, Faith Healer genannte Mitglieder der zionistischen Kirche, Neo-Herbalisten, traditionelle Geburtshelferinnen und abschließend in den durch die Ahnen auserwählten Sangoma. Die Versuche der britischen Protektoratsverwaltung, gegen das traditionelle Heilwesen vorzugehen sind gescheitert und so nimmt es auch heute noch neben der westlichen Medizin einen festen Platz in der Gesellschaft ein.